Was gibt es Schöneres als im Spätherbst, an einem neblig-nassen und kalten Nachmittag, eine kleine Tour zu gehen und bei Dämmerung etwas verschwitzt aber auch durchgefroren und sicher müde nach Hause zu kommen? Nebel und Nässe sind bekanntlich die besten Stimmungsverstärker. Sie können aus einer eh schon schönen Tour einen »feuchten Traum« machen. Zum Beispiel aus dem 7,5 Kilometer langen Rundweg von Spiegelau durch die Steinklamm bis zum Großarmschlager Stausee und entlang des Triftkanals wieder zurück (immer dem Wegsymbol Steinforelle folgend).
Schon alleine Spiegelau an sich macht auf mich immer wieder einen besonderen Eindruck: ein traditionsreicher und weltbekannter, aber auch abgelegener und immer mehr ausgestorben wirkender Glashüttenort, der nahe des Kingenbrunner Bahnhofs liegt – angeblich der kälteste Ort Deutschlands. Die Gegend hat dennoch ihren besonderen Reiz: der Nationalpark liegt zu Füßen und somit gibt es Wald und Wildnis in rauer Menge. Übrigens: sogar Nietzsche hat es hierhin im Sommer 1876 für mehrere Monate verschlagen. Schwärmerische Briefe zeugen von seiner Begeisterung.
Dabei ist die wirklich archaisch anmutende Steinklamm gar nicht mehr so ursprünglich und wild wie man glauben möchte. Die Große Ohe die sie durchfließt, wurde die letzten 150 Jahre stark industriell und für die Holztrift genutzt. Man sieht es ihr aber mittlerweile nicht mehr an. Eher glaubt man, bereits kurz nach dem Einstieg im tiefsten Urwald zu sein, wo das Wandern über die im Herbst rutschigen Steine zu einer gewissen Herausforderung wird. Der erste Wegabschnitt, die Klamm abwärts, ist leider nach gut 1,5 Kilometer bereits wieder vorbei. Nach der Marienbrücke geht es erst einmal auf einer Forststraße ca. 150 Höhenmeter bergauf, bis der Großarmschlager Stausee erreicht ist. See ist für dieses ruhige Gewässer vielleicht etwas übertrieben. Seine Größe ist sehr überschaubar und bei den Bänken am Waldrand findet man auch gleich ein idyllisches Plätzchen zum Pausieren. Wieder zurück führt ein schmaler Pfad den stillen, tiefschwarzfarbenen Kanal entlang. Er kreuzt nach gut 1,5 Kilometern die Waldbahnlinie Zwiesel – Grafenau und führt weiter durch einen besonders schönen Wald mit altem, hochgewachsenen Baumbestand und ansehnlichen Felsformationen. Danach ist bereits schon wieder das Ortsende von Spiegelau erreicht. Auf dem Rückweg durchs Dorf zum Ausgangspunkt bei der Sparkasse, sollte man sich abschließend noch ein Aufwärmschnapserl bei der Bärwurzerei Gerl gönnen.
Tourdaten sind wie immer auf outdooractive.com zu finden.
Bild © Daniel Reißner